Das Herz – Motor unseres Kreislaufsystems

Das Herz ist ein Hochleistungsorgan. Es wiegt etwa 300 Gramm, liegt in der Mitte des Brustkorbs und seine Herzspitze ist meist im Bereich der linken seitlichen Brust tastbar. Die kontinuierliche Arbeit, die das Herz leistet, ist enorm: Es schlägt rund 100000 Mal am Tag und befördert dabei täglich etwa 10000 Liter Blut durch die Gefäße unseres Körpers.

Der Aufbau des Herzens

Das Herz setzt sich aus fünf funktionellen Komponenten zusammen, die isoliert oder in Kombination erkranken und zu Fehlfunktionen führen können:

  • Herzmuskel: Verantwortlich für die eigentliche Pumpleistung
  • Herzklappen: Fungieren als Ventile für den gerichteten Blutstrom
  • Herzkranzgefäße: Übernehmen die Blut- und Sauerstoffversorgung des Herzmuskels
  • Herzbeutel (Perikard): Umhüllt und schützt das Herz
  • Reizleitungssystem (»Elektrik«): Dient als Taktgeber und Auslöser der Herzkontraktion

Wege zur Diagnose

Gelegentlich gelingt erfahrenen Kardiologen die Diagnose einer Herz-Kreislauf-Erkrankung bereits aus der Anamnese – also dem detaillierten Erfragen der Krankheitsgeschichte und der Symptome. In den meisten Fällen sind jedoch weitergehende Untersuchungen erforderlich. Das Spektrum reicht hierbei von einem einfachen EKG bis hin zu technisch aufwendigen Verfahren wie einer Herzkatheteruntersuchung.

Symptome bei Herz- und Gefäßerkrankungen

Im Krankheitsfall können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Sie hängen stark davon ab, welcher Teil des Herzens oder der Gefäße betroffen ist.

Brustschmerz und Engegefühl (Angina pectoris)

Ein typisches Symptom ist der Schmerz in der mittleren oder linken Brust bei Belastung. Dieser kann in den Hals, den Rücken oder den linken Arm ausstrahlen. Meist ist er Ausdruck einer Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit). Im Fachbegriff wird dies als Angina pectoris oder Brustenge bezeichnet.

Wichtiger Hinweis: Im schlimmsten Fall kann bereits ein Herzinfarkt vorliegen. Hier ist schnelles Handeln erforderlich. Fordern Sie im Zweifel umgehend ärztliche Hilfe über den Notruf (112) an.

Luftnot (Dyspnoe)

Luftnot tritt meist bei Belastung auf und ist Ausdruck eines Sauerstoffmangels im Körper. Die Ursachen können kardiologischer Natur sein (z.B. Herzmuskelschwäche, Herzklappenerkrankung, Durchblutungsstörung). Häufig ist Atemnot jedoch auch durch eine Lungenerkrankung bedingt. Bei einer Herzschwäche staut sich das Blut in den Gefäßen vor der linken Herzhälfte zurück in die Lunge. Dies behindert die Sauerstoffaufnahme und löst die Luftnot aus.

Wasseransammlungen (Ödeme)

Flüssigkeitseinlagerungen im Körper – insbesondere in den Beinen – können auf Erkrankungen der Venen oder Lymphgefäße hindeuten, sind aber ebenfalls ein klassisches Zeichen einer Herzschwäche. Hierbei staut sich das Blut vor der rechten Herzhälfte zurück in die inneren Organe (wie die Leber) und in das Gewebe der Beine.

Herzrasen und Herzstolpern

Diese unangenehmen Wahrnehmungen sind Symptome verschiedener Formen von Herzrhythmusstörungen. Dazu gehören Extraschläge (Extrasystolen), Vorhofflimmern oder gefährlichere Formen von Herzrasen. Diese Beschwerden erfordern eine genaue Abklärung, um auch eventuelle zugrunde liegende Herzerkrankungen zu erkennen.

Plötzliche Bewusstlosigkeit (Synkope)

Eine Bewusstlosigkeit, die plötzlich, ohne Vorwarnung und nur für kurze Zeit auftritt, ist häufig durch eine Rhythmusstörung bedingt. Wenn dabei Herzaktionen aussetzen, wirft das Herz vorübergehend kein Blut aus, sodass das Gehirn für wenige Sekunden nicht ausreichend durchblutet wird. Auch ein zu niedriger Blutdruck kann solche Ereignisse auslösen – in diesem Fall geht der Ohnmacht meist eine kurze Schwindelepisode voraus.

Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns. Er kann durch eine Erkrankung des Herzens oder der Halsschlagadern (Karotiden) ausgelöst werden. Nach einem Schlaganfall ist daher eine spezielle kardiologische Abklärung wichtig. Dabei wird nach Blutgerinnseln im Herzen, Rhythmusstörungen oder angeborenen Löchern in der Vorhofscheidewand (sogenanntes PFO) gesucht. Meist erfolgt diese Diagnostik bereits in der Akutklinik.

Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)

Bluthochdruck kann das Symptom einer anderen Erkrankung sein, ist jedoch meist ein eigenständiges Gefäßleiden. Durch den hohen Widerstand in den Gefäßen muss das Herz dauerhaft mehr Arbeit leisten. Über Jahre und Jahrzehnte kann dies zu verdickten Herzwänden oder einer Herzschwäche führen. Zudem ist ein Schlaganfall eine häufige Komplikation von hohem Blutdruck.

Kardiologische Krankheitsbilder

Das Spektrum der Kardiologie befasst sich mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Gefäße:

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße infolge von Verkalkungen (Arteriosklerose) entwickeln sich chronisch über Jahre. Der akute Verschluss eines Gefäßes führt zum Herzinfarkt, der bleibende Herzmuskelnarben hinterlassen kann.
Herzklappenerkrankungen Funktionelle Veränderungen der vier Herzklappen im Sinne von Verengungen (Klappenstenose) und/oder Undichtigkeiten (Klappeninsuffizienz).
Herzmuskerkrankungen (Kardiomyopathien) und Herzschwäche Herzmuskerkrankungen können angeboren sein und sich erst im höheren Lebensalter zeigen. Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann sich zudem akut durch eine virale Entzündung oder chronisch durch Bluthochdruck sowie Klappenschäden entwickeln.
Herzrhythmusstörungen Sie äußern sich durch fehlende oder zusätzliche Herzaktionen, wodurch der Herzschlag zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig sein kann. Viele Rhythmusstörungen treten ohne erkennbare Ursache auf und sind gutartig, sollten aber fast immer fachärztlich abgeklärt werden, um seltene, lebensgefährliche Situationen auszuschließen.
Herzbeutelerkrankungen Entzündungen oder eine Herzschwäche können zu Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel führen. Da das Gewebe kaum dehnbar ist, kann eine starke Flüssigkeitsmenge die Bewegung des Herzens einschränken (»fesseln«).
Gefäßeinengungen außerhalb des Herzens Verkalkungen betreffen das gesamte Gefäßsystem. An den Halsschlagadern können sie einen Schlaganfall verursachen, an den Beinschlagadern führen sie zu Durchblutungsstörungen der Beine (Schaufensterkrankheit) mit belastungsabhängigen Muskelschmerzen, beispielsweise in den Waden.
Herztumoren Tumoren des Herzens sind extrem selten und in den meisten Fällen gutartig.

Therapie, Bluthochdruck-Behandlung und Prävention

Bluthochdruck ist eine sehr häufige Erkrankung. Sie lässt sich durch regelmäßige Messungen leicht erkennen und meist gut sowie nebenwirkungsfrei mit Medikamenten einstellen, wodurch Folgeschäden effektiv verhindert werden. Nur in wenigen Prozent der Fälle liegt eine organische Ursache vor – eine mögliche und wichtige Ursache ist hier das Schlafapnoesyndrom.

 

Die Vorbeugung (Prävention) von Herz- und Gefäßerkrankungen liegt uns besonders am Herzen. Durch gezielte Lebensstilanpassungen lassen sich Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Übergewicht und hohe Cholesterinwerte vermeiden oder positiv beeinflussen. Dazu gehören:

  • Konsequenter Rauchverzicht
  • Eine bewusste, ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßige sportliche und körperliche Aktivitäten

 

Bei Bedarf ergänzen wir diese Maßnahmen durch eine individuelle medikamentöse Therapie, um Ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko effektiv zu senken.